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Nietzsches Leben
ü Was für ein Mensch war Nietzsche? Wie war sein Charakter, was führte ihn zu seiner Philosophie?
Schon als Kind, das vaterlos aufwuchs, zeigte Friedrich seinen Stolz. So bemerkten
seine Schulkameraden eine 'Gleichgültigkeit gegen die kleinen Interessen der Kameraden', was Nietzsche
aber nicht bewegte. Während die anderen Kinder spielten führte Nietzsche Unterhaltungen mit seinem einzigen
Schulfreund Deussen. Viel über den 13 jährigen Nietzsche sagt auch sein damaliger Rückblick über sein bisheriges Leben aus:
'Ich habe nun schon so manches erfahren, Freudiges und Trauriges, Erheiterndes und Betrübendes,
aber in allem hat mein Gott mich sicher geleitet wie ein Vater sein schwaches Kindlein.
Viel Schmerzliches hat er mir schon auferlegt, aber in allem erkenne ich mit Ehrfurcht seine hehre Macht, die alles herrlich hinausführt.
Ich habe es fest in mir beschlossen, mich seinem Dienste auf immer zu widmen. Gebe der liebe Herr mir Kraft und Stärke zu meinem
Vorhaben und behüte mich auf meinem Lebenswege.
Kindlich vertraue ich auf seine Gnade: Er wird uns insgesamt bewahren, auf das kein Unfall uns betrübe.
Aber sein heiliger Wille geschehe! Alles, was er gibt, will ich freudig hingeben, Glück und Unglück, Armut und Reichtum,
kühn selbst dem Tod ins Auge schaun, der uns alle einstmals vereinen wird zu ewiger Freude und Seligkeit.
Ja, lieber Herr, laß dein Antlitz über uns leuchten ewiglich! Amen!'
So sieht der 13-jährige Nietzsche seine Bestimmung im selben Beruf wie der Vater, er ist schon
jetzt erstaunlich bewandert in der Bibel und der griechischen und römischen Geschichte. In Mathematik und Zeichen wird bei ihm, im
Gegensatz zu Latein und Griechisch, wo er ausgezeichnet ist, ein Unvermögen festgestellt. Trotz der stark unterschiedlichen
Leistungen gibt man ihm aber trotzdem eine Empfehlung zum Studium an der Universität.
Zusammen mit Deussen studiert er an der Universität in Bonn, damals eine Kleinstadt, Philologie.
Bei einem Besuch in Köln, als Karneval war,
berichtet Deussen, soll Nietzsche übertölpelt und in ein
Bordell geschleppt worden sein. Laut vielen Biographen Nietzsches soll er sich
da sich mit der Krankheit infiziert haben, die später zu seinem geistigen
Verfall führte. Bewiesen ist dies aber nicht.
Er selbst dementierte aber, dass er dort Kunde war:
'Sprachlos stand ich eine Weile. Dann ging ich instinktmäßig auf ein Klavier als auf das einzige seelenhafte Wesen
in der Gesellschaft los und schlug einige Akkorde an. Sie lösten meine Erstarrung und ich gewann das Freie.'
In Bonn findet er in einem Antiquariat Schopenhauers Buch 'Die Welt als Wille und Vorstellung'
dessen Pessimismus in stark beeinflusst, selbst sagte er über dieses Buch:
'Ich weiß nicht, welcher Dämon mir zuflüsterte: Nimm dir dies Buch mit nach Hause.
Es geschah jedenfalls wider meine sonstige Gewohnheit, Büchereinkäufe nicht zu überschleunigen.
Zu Hause warf ich mich mit dem erworbenen Schatz in die Sofaecke und begann, jenen energischen, düsteren Genius
auf mich wirken zu lassen. Hier war jede Zeile, die Entsagung, Verneinung, Resignation schrieb, hier sah ich einen Spiegel,
in dem ich Welt, Leben und eigen Gemüt in entsetzlicher Großartigkeit erblickte. Hier sah mich das volle
interessenlose Auge der Kunst an, hier sah ich Krankheit und Heilung, Verbannung und Zufluchtsort, Hölle und Himmel.
Das Bedürfnis nach Selbsterkenntnis, ja Selbstzernagung packte mich gewaltsam.'
So wurde Nietzsche zu einem Anhänger und Bewunderer Schopenhauers, der
damals durch sein Vermögen
nicht angewiesen war sich einer Meinung zu beugen, und deshalb recht unbequeme
Philosophien formulierte.
Kurz darauf tritt er der Verbindung 'Frankonia' bei, durch die er zum Waffenstudenten wird - diese
Vereinigung missfällt ihm aber schon bald wegen der Trunkenheit und Arroganz und Nichtachtung anderer Menschen und Meinungen
seitens der Mitglieder. Kurz darauf verlässt er die Verbindung und folgt seinem Mentor Ritschl nach Leipzig um bei ihm
Philologie zu studieren.
Dort studiert er auch die Schriften des Theologen David Strauss, der in der
Bibel keinen richtigen Beweis für die Existenz
Jesu findet.
Durch die Lektüre des Buches 'Geschichte des
Materialismus' eines bürgerlichen Demokraten namens
Friedrich Lange stößt Nietzsche auf die griechische Naturphilosophie,
besonders die von Demokrit, welche in hell auf begeistert.
Nach der Theorie des Demokrit vom Atom sind Anfang und Ende gleichzeitig,
Beziehungen Notwendigkeiten und jede Geburt auch ein Tod. Nietzsche wird von
dieser vollkommen nihilistischen Lehre sehr beeinflusst und letztlich liegt
seiner Umwertung aller Werte diese Theorie zugrunde.
Als 1866 Preußen unter der Führung Bismarcks Sachsen besetzt, wo ja Nietzsche, selbst Preuße, in Leipzig
studiert, reagiert er stolz. Zu seinem Freund Gersdorff schreibt er:
'Aber stolz müssen wir sein, eine solche Armee zu haben, ja sogar ... eine solche
Regierung zu besitzen, die das nationale Programm nicht bloß auf dem Papier hat, sondern mit der größten Energie
mit ungeheurem Aufwand an Geld und Blut ... aufrecht erhält.'
Nietzsche ist jetzt regelrecht im Kriegsfieber unter der heroischen Parole 'Sieg oder Tod', er schreibt an
Gersdorff:
'Mißlingt es [die agressive Politik Preußens],
so haben wir beide hoffentlich die Ehre, von einer französischen Kugel getroffen auf dem Kampfplatz zu fallen.'
Wie von Nietzsche hervor gesagt führt der Krieg
mit Österreich 1870 in einen Krieg mit Frankreich,
wo Nietzsche wegen seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung und eines
Augenleiden nur kurz als Sanitäter fungiert.
Informationen über das menschliche Auge
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